bi veran geschichte 258

Ist es möglich, ohne Kopf rund 20 Meter zu gehen und dabei auch noch eine bestimmte Richtung einzuhalten? Die Legende, dass Klaus Störtebeker dies nach seiner Enthauptung im Jahre 1401 getan und dabei noch an etwa 70 seiner auf ihre Hinrichtung wartenden Genossen vorbeigeschritten sein soll, geistert wie viele weitere merkwürdige Episoden aus seinem Seeräuberleben seit rund 600 Jahren durch die Chronistik und populäre Geschichtsdarstellung.
Vor einigen Jahren sah sich ein von einem Zeitungsjournalisten dazu befragter Rechtsmediziner in Hamburg sogar genötigt, klar zu stellen, dass solches natürlich nicht möglich ist – und auch früher nie möglich war.
Dennoch: Klaus Störtebeker, der vermeintliche Anführer der sogenannten Vitalienbrüder, ist die populärste Figur in der deutschen Seeräubergeschichte. Dazu steht aber in merkwürdigem Gegensatz, dass die wissenschaftlich abgesicherten Kenntnisse über ihn nur dürftig sind. Dagegen setzte die Legendenbildung über ihn und seine Kumpane schon früh ein, wobei nahezu alles, was mit den historischen Vitalienbrüdern zu tun hatte im Laufe der Jahrhunderte stark überwiegend auf die Figur Störtebeker bezogen wurde. In ihr verdichtete sich solchermaßen ein Geschehen, das in Wirklichkeit sowohl räumlich wie zeitlich wesentlich umfassender, aber auch deutlich zusammenhangloser war, als es in den Legenden zum Ausdruck kommt. In dem bebilderten Vortrag wird die Geschichte dieser Seeräuberfigur und ihrer Kumpane dargestellt, deren historische Umtriebe im Nord- und Ostseeraum werden erläutert und die Entwicklung der Legende und schließlich die Frage erörtert, warum Störtebeker in Literatur, Theater und Film das Rennen gemacht hat gegenüber allen anderen bis hin zum Alleinstellungsmerkmal im Marketing.
Robert Bohn war Professor für Geschichte an den Universitäten Kiel und Flensburg. Inzwischen ist er im Ruhestand. Geboren wurde er 1952 in Karlshafen, wo er auch die ersten 23 Jahre seines Lebens verbrachte. Seitdem lebt er in Kiel, ist aber seiner Geburtsstadt weiterhin auf vielfältige Weise verbunden. Zum 300. Stadtjubiläum erschien die von ihm verfasste umfangreiche Geschichte der Stadt Bad Karlshafen im
Verlag Bernhard Schäfer.
Der Heimatverein Bad Karlshafen e.V. würde sich freuen Sie nach dem Vortrag zu einem Glas Wein einladen zu dürfen.
Eintritt frei um Spenden wird gebeten.

INFORMATIONEN

TERMIN

Freitag, 3. Mai 2019

UHRZEIT

19 Uhr

TREFFPUNKT

Buch und Kunstantiquariat Bernhard Schäfer
Inh. Christian Schäfer
Conradiestr. 2
34385 Bad Karlshafen