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Wer war Johann Ernst Elias Bessler?
Johann Ernst Elias Bessler (*1681 in Zittau, †30. November 1745 in Fürstenberg) war in Zittau Schüler des Rektors und Barockdichters Christian Weise. Ein abenteuerliches Wanderleben über die Jahrmärkte Europas verschafften ihm Erfahrungen in Schauspielerei, Medizin (Quacksalberei), Schatz- und Goldgräberei und vor allem in Uhrmacherei und in der Mechanik, die schon immer seine Lieblingsdisziplin war. Er trat unter dem klangvollen „Künstlernamen“ Orffyreus auf. Nach einer „Wunderheilung“ in Annaberg heiratete er eine Tochter des Bürgermeisters und Stadtarztes Barbara Schuhmann und erhielt eine stattliche Mitgift. Sie ermöglichte es ihm unter anderem 1712 in Gera ein erstes „Pepetuum mobile“ aufzubauen und öffentlich vorzuführen.

Wie kam er nach Hessen?
Dem Perpetuum mobile in Gera folgten weitere in Draschwitz bei Leipzig (1713) und in Merseburg (1715), die große Aufmerksamkeit erregten und zu einer heftig ausgefochtenen Kontroverse führten. Entgegen den Betrugsvorwürfen, die von Anfang an laut wurden, attestierte Herzog Moritz Wilhelm von Merseburg dem Bessler-Rad, es sei in Gegenwart der von ihm beauftragten zwölf (!) Gutachter einwandfrei gelaufen. Unter diesen Experten war kein geringerer als der Universalgelehrte Christian Wolff. Daraufhin erhielt Orffyreus einen Ruf an den Hof des Landgrafen Karl von Hessen-Kassel (1654- 1730), einem großen Förderer der Künste und Wissenschaften. Er ernannte Orffyreus zum Kommerzienrat und bot ihm und seiner stattlichen Entourage Wohn- und Arbeitsräume in seinem Schloss Weissenstein, dem heutigen Wilhelmshöhe. Er persönlich attestierte seinem Erfinder am 27. Mai 1718 schriftlich, dass das P.M. ab dem 12. November 1717 zwei Monate lang ohne Zufuhr von äußerer Energie gelaufen sei. Orffyreus publizierte im Oktober 1719 in Kassel das in deutscher und lateinischer Sprache verfasste Buch „Das triumphierende Perpetuum Mobile“ . Besslers Rad war seither ein weiterer Aspekt der wissenschaftlichen Debatte, die mit der Leibniz –Papin Kontroverse 1689 bis 1691 in der Zeitschrift Acta Eruditorum begonnen hatte. An Besslers Erfindung bestand daher europaweit großes Interesse. Unter anderem wollten eine englische Interessensgemeinschaft (hinter der man Isaak Newton vermutete) sowie der Zar Peter der Große das Perpetuum Mobile untersuchen lassen und möglicherweise kaufen. Um weiteren Inspektionen zu entgehen, inszenierte Orffyreus, wie bereits in Gera und Merseburg einen Wutanfall und zerstörte seine Erfindung.

Die Zeit in Karlshafen
Im Spätsommer oder Herbst 1721 zog er per Schiff über Fulda und Weser nach Karlshafen um, nachdem der Landgraf ihn aus Weissenstein verbannt und dort ein Haus mit Garten und Ackerland zugewiesen hatte. Fortan lebte Bessler dort mit seiner Familie im Haus direkt neben dem Packhaus, dem heutigen Rathaus. Die Planstadt Karlshafen war damals noch Großbaustelle, nur wenige Häuser neben dem Packhaus und um den Hafen herum waren fertiggestellt. Mit den Bewohnern Karlshafens oder zumindest mit einige von ihnen vertrug er sich schlecht, namentlich der Pfarrer Endemann, der von der Kazel gegen ihn predigte und der Amtmann Struwe, der ihn den Karlshafener Eulenspiegel nannte, waren sein Feinde. Orffyreus erstellte ein neues P.M. Modell und schrieb unzählige Bittbriefe an Karl, er verlangte Geld, um das Modell wiederum „ins Große“ bauen zu können. Die Neigung des Landgrafen hierzu war gering. Vollends verspielt hatte Orffyreus dessen Zuneigung, als die Magd Anna Rosina Mauersberger 1725 aus seinem Hause nach Kassel floh, und dem Landgrafen schriftlich mitteilte, das Perpetuum mobile sei nichts als Betrug. Diese Aussage bestätigte sie ausführlich in einem polizeilichen Verhör, das der Landgraf anordnete. Darüberhinaus war Karl von Hessen klug genug, die Sache auf sich beruhen zu lassen. Ein Prozess hätte für viel Aufsehen gesorgt um nicht zu sagen: für viel Häme und Gelächter an europäischen Adelshöfen.

Am 30. November 1745 starb Bessler 65-jährig bei Arbeiten am Neubau einer Windmühle in Fürstenberg an der Weser durch einen Sturz in die Tiefe. Als Konstrukteur des Gebäudes plante er, die dort häufig herrschenden Aufwinde durch ein sich horizontal drehendes Flügelrad zu nutzen.