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Theater Anu "Perpetuum Mobile - Eine Stadt im Rausch"

Vorverkaufsstart für Theater Anu!
Theater Anu "Perpetuum Mobile – Eine Stadt im Rausch"
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Im Mai und Juni 2018 erwartet Sie Theater Anu in Bad Karlshafen, im Rahmen des Baustellen-ERLEBNIS-Programms.

PERPETUUM MOBILE - EINE STADT IM RAUSCH
Ortspezifisch. Fantastisch. Visionär.

Bei den aktuellen Sanierungsarbeiten des barocken Hafenbeckens von Bad Karlshafen gibt es eine unglaubliche Entdeckung: Luftdicht verpackt in einer versiegelten Kiste befindet sich der weltweit einzig erhaltene Bauplan eines Perpetuum Mobiles. Das „Ewige Rad“ ist die Erfindung Johann Besslers – Medicus, Mechanicus und Vertrauter des Landgrafen.
Ist es möglich dieses Wunderrad 300 Jahre später nachzubauen?
Gibt es tatsächlich ein sogenanntes Perpetuum Mobile?
Und wird Bad Karlshafen dadurch nun weltberühmt?

Theater Anu verspricht mit seiner neusten Inszenierung eine STADT IM RAUSCH.
Rund um das Hafenbecken werden verschiedene Szenen und Installationen im Loop gespielt.
Die Spieldauer beträgt 3 Stunden, eine Mindestverweildauer von 90 Minuten wird empfohlen.

Eine Kooperation der Bad Karlshafen GmbH und des Kultursommers Nordhessen.

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Poetische Theaterformen – darunter verstehen die beiden Theatermacher die stetige Suche nach Kunstformen der Versöhnung des Menschen mit seiner Welt. Es sind Begegnungen zwischen Darstellern und Besuchern in einem ungeschützten Theaterraum: dem Stadtraum. Draußen ist die Realität, sie gilt es zu verändern. Atmosphäre und Schönheit, Zeit und Entschleunigung, Begegnung und Nachhaltigkeit – alles Eigenschaften, die in der heutigen Zeit zunehmend an Seltenheitswert erlangen. Seit 2005 arbeiten sie verstärkt in der Form der Theaterinstallation, ihre Besucher sprechen von „poetischen Welten“, in die sie eintauchen und dort für mehrere Stunden verweilen.

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Informationen

Historischer Hintergrund


Wer war Johann Ernst Elias Bessler?
Johann Ernst Elias Bessler (*1681 in Zittau, †30. November 1745 in Fürstenberg) war in Zittau Schüler des Rektors und Barockdichters Christian Weise. Ein abenteuerliches Wanderleben über die Jahrmärkte Europas verschafften ihm Erfahrungen in Schauspielerei, Medizin (Quacksalberei), Schatz- und Goldgräberei und vor allem in Uhrmacherei und in der Mechanik, die schon immer seine Lieblingsdisziplin war. Er trat unter dem klangvollen „Künstlernamen“ Orffyreus auf. Nach einer „Wunderheilung“ in Annaberg heiratete er eine Tochter des Bürgermeisters und Stadtarztes Barbara Schuhmann und erhielt eine stattliche Mitgift. Sie ermöglichte es ihm unter anderem 1712 in Gera ein erstes „Pepetuum mobile“ aufzubauen und öffentlich vorzuführen.

Wie kam er nach Hessen?
Dem Perpetuum mobile in Gera folgten weitere in Draschwitz bei Leipzig (1713) und in Merseburg (1715), die große Aufmerksamkeit erregten und zu einer heftig ausgefochtenen Kontroverse führten. Entgegen den Betrugsvorwürfen, die von Anfang an laut wurden, attestierte Herzog Moritz Wilhelm von Merseburg dem Bessler-Rad, es sei in Gegenwart der von ihm beauftragten zwölf (!) Gutachter einwandfrei gelaufen. Unter diesen Experten war kein geringerer als der Universalgelehrte Christian Wolff. Daraufhin erhielt Orffyreus einen Ruf an den Hof des Landgrafen Karl von Hessen-Kassel (1654- 1730), einem großen Förderer der Künste und Wissenschaften. Er ernannte Orffyreus zum Kommerzienrat und bot ihm und seiner stattlichen Entourage Wohn- und Arbeitsräume in seinem Schloss Weissenstein, dem heutigen Wilhelmshöhe. Er persönlich attestierte seinem Erfinder am 27. Mai 1718 schriftlich, dass das P.M. ab dem 12. November 1717 zwei Monate lang ohne Zufuhr von äußerer Energie gelaufen sei. Orffyreus publizierte im Oktober 1719 in Kassel das in deutscher und lateinischer Sprache verfasste Buch „Das triumphierende Perpetuum Mobile“ . Besslers Rad war seither ein weiterer Aspekt der wissenschaftlichen Debatte, die mit der Leibniz –Papin Kontroverse 1689 bis 1691 in der Zeitschrift Acta Eruditorum begonnen hatte. An Besslers Erfindung bestand daher europaweit großes Interesse. Unter anderem wollten eine englische Interessensgemeinschaft (hinter der man Isaak Newton vermutete) sowie der Zar Peter der Große das Perpetuum Mobile untersuchen lassen und möglicherweise kaufen. Um weiteren Inspektionen zu entgehen, inszenierte Orffyreus, wie bereits in Gera und Merseburg einen Wutanfall und zerstörte seine Erfindung.

Die Zeit in Karlshafen
Im Spätsommer oder Herbst 1721 zog er per Schiff über Fulda und Weser nach Karlshafen um, nachdem der Landgraf ihn aus Weissenstein verbannt und dort ein Haus mit Garten und Ackerland zugewiesen hatte. Fortan lebte Bessler dort mit seiner Familie im Haus direkt neben dem Packhaus, dem heutigen Rathaus. Die Planstadt Karlshafen war damals noch Großbaustelle, nur wenige Häuser neben dem Packhaus und um den Hafen herum waren fertiggestellt. Mit den Bewohnern Karlshafens oder zumindest mit einige von ihnen vertrug er sich schlecht, namentlich der Pfarrer Endemann, der von der Kazel gegen ihn predigte und der Amtmann Struwe, der ihn den Karlshafener Eulenspiegel nannte, waren sein Feinde. Orffyreus erstellte ein neues P.M. Modell und schrieb unzählige Bittbriefe an Karl, er verlangte Geld, um das Modell wiederum „ins Große“ bauen zu können. Die Neigung des Landgrafen hierzu war gering. Vollends verspielt hatte Orffyreus dessen Zuneigung, als die Magd Anna Rosina Mauersberger 1725 aus seinem Hause nach Kassel floh, und dem Landgrafen schriftlich mitteilte, das Perpetuum mobile sei nichts als Betrug. Diese Aussage bestätigte sie ausführlich in einem polizeilichen Verhör, das der Landgraf anordnete. Darüberhinaus war Karl von Hessen klug genug, die Sache auf sich beruhen zu lassen. Ein Prozess hätte für viel Aufsehen gesorgt um nicht zu sagen: für viel Häme und Gelächter an europäischen Adelshöfen.

Am 30. November 1745
starb Bessler 65jährig bei Arbeiten am Neubau einer Windmühle in Fürstenberg an der Weser durch einen Sturz in die Tiefe. Als Konstrukteur des Gebäudes plante er, die dort häufig herrschenden Aufwinde durch ein sich horizontal drehendes Flügelrad zu nutzen.

Begleitausstellung


Anlass, Idee und Inhalte der Ausstellung in Bad Karlshafen
In Bad Karlshafen haben im August 2017 die Bauarbeiten für eine neue Hafenschleuse begonnen. Damit wird der Hafen der 1699 gegründeten Barockstadt wieder einen Zugang zu Weser bekommen, der 1937 geschlossen wurde. Zu den kulturellen Aktivitäten, die in Zusammenhang mit diesem Projekt die außergewöhnliche Geschichte der barocken Planstadt Karlshafen thematisieren, wird im Mai und im Juni 2018 die spektakuläre Stadtbespielung „Perpetuum mobile – eine Stadt im Rausch“ durch Theater Anu aus Berlin gehören, das seit über 20 Jahren den öffentlichen Raum mit poetischen Theaterformen bespielt und erschließt.
Dabei geht es um das Leben und Wirken des Erfindes Johann Ernst Elias Bessler (* 1681 in Zittau; † 30. November 1745 in Fürstenberg), der sich Orffyreus nannte. Im Rahmen des Gesamtprojekts soll eine große Ausstellung entstehen, die auf mehrere Gebäude im Stadtgebiet Bad Karlshafen verteilt sein wird. Themenbereiche der Ausstellung werden u.a. sein: Lebensstationen des Johann Bessler; Das Besslerrad; Landgraf Karl und die Wissenschaften; Der Erfinder und sein Mäzen; Das Perpetuum Mobile auf Burg Weißenstein; Besslers Leben in Carlshafen.

Der Gründer und Namensgeber der Stadt Karlshafen
Karl von Hessen war einer der umtriebigsten absolutistischen Herrscher in der Zeit nach dem Ende des dreißigjährigen Krieges. Obwohl er von der Politik und kriegerischen Auseinandersetzungen, die nach dem „westfälischen Frieden“ von 1648 durchaus andauerten, sehr in Anspruch genommen wurde, engagierte sich der Landgraf intensiv für Investitionen des Staates zum Aufbau gewinnbringender Strukturen in Manufakturproduktion und Handel.
Diese merkantilistischen Lenkungs- und Förderungsmaßnahmen lassen sich am Beispiel der Gründung der Hafenstadt an der Weser, sie hieß zunächst Sieburg, gut beobachten. Zum einen war mit dem Hafen ein großes Kanalprojekt verbunden, das die Weser durch alle Territorien der Landgrafschaft mit dem Rhein verbinden sollte, zum anderen sollte die Ansiedlung neuer Bürger die gewerbliche Produktion in Schwung bringen. Es traf sich deshalb gut, dass Karl die Ansiedlung von Hugenotten, die im katholischen Frankreich Ludwigs XIV. heftig verfolgt wurden, nicht nur als Vertreter und Schutzherr des reformierten Bekenntnisses legitimieren konnte, sondern auch als wirtschaftspolitische Maßnahme.

Die Bedeutung der Wissenschaften für Landgraf Karl
Ohnehin bildete das Handeln eines absolutistischen Souveräns eine in seiner Person vollkommen legitimierte und untrennbare Einheit. Ob er nun militärstrategisch mit dem Pfälzer Erbfolgekrieg oder den Türken vor Wien beschäftigt war oder ob er sich darum kümmerte, seinen Bergpark mit Herkules in Kassel erbauen zu lassen, oder ob er eine Menagerie mit exotischen Tieren gründete, sein Leben musste eine Inszenierung hoher Feierlichkeit sein. Karl hatte ein vitales Interesse an Künsten und Architektur, an Naturwissenschaften und vor allem an der Mechanik. Die Staatsästhetik des Barock, „eine der reichsten Epochen der Menschheitsgeschichte“ (Wolf von Niebelschütz*), war von Versailles bis Nymphenburg, von Schwetzingen bis Kassel und von Arolsen bis Karlshafen immer ein Gesamtkunstwerk aus Architektur und Artillerie, aus Zeremoniell und Musik, aus Wasserspielen und Feuerwerk, Wissenschaft und Kuriosität. Mit der Förderung der Naturwissenschaften folgte Karl einer Tradition des hessischen Hofes, die durch Wilhelm IV. und Moritz dem Gelehrten begründet worden war. Es waren außergewöhnliche Uhren, die in Kassel gemacht wurden, aber auch ein Fahrstuhl, der vom Wind betrieben in den Turm des Ottoneums führte (1696), eine drehbare Kuppel im Zwehrenturm (1707) und auf der Bellevue (1714), den Observatorien Kassels. Voilà, der Sternenhimmel, man sah ihn damals noch ohne Teleskop. Dazu kamen weitere optische Geräte aller Art oder auch eine Zentrifugalluftpumpe, mit der die Karlsaue entwässert werden sollte. Diese Luftpumpe war eines der Projekte, die Denis Papin verfolgte. Der Hugenotte, der nicht nach Frankreich zurück konnte, war aus London gekommen und wurde 1688 Professor an der Universität Marburg. Papin hatte die Wirksamkeit des Dampfdrucks entdeckt und experimentierte mit dem durchaus richtig erkannten Prinzip an der Erfindung der Dampfmaschine. Die ernsthafte naturwissenschaftliche Forschung ging in dieser Zeit mit Luxusproduktion und einer großen Verspieltheit einher. Die Wasserspiele im Bergpark zu Füßen des Herkules dienten allein der höfischen Prachtentfaltung und dem Amüsement, beruhten aber durchaus auf neuen naturwissenschaftlichen Erkenntnissen. * Hans von Niebelschütz, Über Barock und Rokoko, Frankfurt am Main 1981

Der Erfinder und sein Mäzen: Landgraf Karl und Johann Bessler.
Papin nahm 1717 seinen Abschied aus Kassel. Ein Jahr zuvor, 1716, war Bessler, an den Kasseler Hof gekommen. Dieser hatte zuvor in Gera, Draschwitz und Merseburg ein Rad vorgeführt, das er als Perpetuum Mobile bezeichnete. Es sollte, einmal in Gang gesetzt, unaufhörlich laufen und war von Beginn an sehr umstritten. Allerdings hatten bedeutende Wissenschaftler, darunter der Philosoph und Mathematiker Christian Wolff, die Angabe des Erfinders bestätigt. Karl von Hessen berief Orffyreus nach Kassel und gab ihm Wohn- und Arbeitsräume auf seinem Schloss Weissenstein, (heute: Wilhelmshöhe), was einer besonderen Auszeichnung gleichkam. Karl erwartete sich von dem Perpetuum Mobile großen Nutzen im Bergbau und bei den Wasserspielen. Das verwundert nicht, denn mit einer Maschine, die ohne Zufuhr von Energie Arbeit verrichten kann, hätten Orffyreus und sein Sponsor Karl alle Energieversorgungsprobleme der Menschheit ein für allemal gelöst.
Acht Wochen soll seine Maschine auf Weißenstein in Bewegung geblieben sein, durch eine Schrift verkündete er triumphal seine Erfindung. Als der Landgraf durch s’Gravesand eine Untersuchung anordnete, zerstörte Bessler sein Machwerk und wurde durch Aussagen einer Dienerin wurde seine wissenschaftliche Redlichkeit schwer belastet, wenngleich ihm ein Betrug zeitlebens nicht nachgewiesen werden konnte. Bessler bekam von Karl Haus und Land in Bad Karlshafen zugewiesen, wo er bis zum Ende seines Lebens wohnte.

Kein Orffyreus ohne Karl
Die Rolle des Landgrafen als Mäzen und Förderer der Wissenschaften soll in der Ausstellung in Bad Karlshafen dargestellt werden. Gerade in der Planstadt Bad Karlshafen mit dem geplanten Kanal zwischen Weser und Rhein ist die Einstellung Karls zu Innovation und Wissenschaft manifest geworden. Die Dampfmaschine, die Papin leider nicht erfand und das Perpetuum Mobile, das Bessler nicht erfinden konnte, aber das wusste noch niemand, waren Projekte eines experimentellen und risikofreudigen Fortschrittsoptimismus, einer fröhlichen Wissenschaft, deren Dynamik sich in den kommenden Jahrzehnten erst noch entfalten sollte. Ohne Karl von Hessen wüssten wir von Orffyreus, dieser „feurigen Eule mit Windmühlenflügeln“** wahrscheinlich nichts mehr.

** Ernst Bloch, Das Prinzip Hoffnung, Wille und Natur, die technischen Utopien, Frankfurt am Main 1977

Über Theater Anu

Alle weiteren Informationen über Theater Anu finden Sie unter www.theater-anu.de

Eventpauschalen

Dieses Theater-Erlebnis ist mit Übernachtung und kleinem Begleitprogramm
auch als Event-Pauschale buchbar.
Weitere Informationen gibt's hier!

Termine

24.,25., und 26. Mai 2018
31. Mai und 1., 2. Juni 2018

Beginn

20.30 Uhr

Preise

Einzelkarte
24,– €
Dauerkarte (für alle 6 Vorstellungen)
50,– €

Buchung

Tickets für das Event erhalten Sie hier oder in der Tourist Information!

Kontakt

Bad Karlshafen GmbH
Tourist Information Bad Karlshafen
Hafenplatz 8
34385 Bad Karlshafen
Tel. 05672/9999-22
Fax 05672/9999-25
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